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Oper Köln: 8. April 1999, B-PremiereParsifal
von Birgit Popp
Die Deutungsmöglichkeiten von Richard Wagners Oper Parsifal sind vielseitig und vielschichtig. Nicht ohne Grund hatte auch Wagner selbst drei Jahrzehnte lang an seiner letzten Oper gearbeitet. Genauso zahlreich sind die Ansätze, wie Parsifal inszeniert werden kann. Wie es in der Pressemitteilung der Oper Köln heißt, suchte Regisseur Günter Krämer vor allem nach den psychischen Dispositionen, aus denen in der Moderne Erlösungssehnsucht und Heilspläne erwachsen. Ganz neu ist die Inszenierung des Kölner Generalintendants nicht. Bereits in der Spielzeit '96/97 hatte diese Koproduktion mit dem Bonner Opernhaus dort Premiere gefeiert, allerdings zum Teil in anderer Besetzung. Bei den Medien hatte die Bonner Inszenierung überwiegend positive Wertung erfahren, bei dem Bonner und Kölner Publikum überwog jedoch die Ablehnung. Einheitlich positiv war jedoch die Meinung über die sängerischen Leistungen und die des Orchesters mit Graeme Jenkins am Pult. Die Parsifal-Deutung Günter Krämers ist auf den menschlichen Aspekt und der Menschlichkeit ausgerichtet. Wenn am Ende im dritten Aufzug Heinz Kruse (Parsifal) von Kristinn Sigmundsson (Gurnemanz) an die Hand genommen wird, dann erweckt er jedoch immer noch nicht einen wissenderen Eindruck als im ersten Aufzug. Aber man darf sich getrost fragen, wenn es im Text heißt, daß Parsifal zum wissenden Menschen wird, worin denn sein 'Wissen' eigentlich besteht. Eines ist er jedoch ohne Frage geworden, ein (Mitleid) empfindender Mensch. Das schlichte, stilisierte Bühnenbild von Gabriele Henkel ist von einer Schwarz-Weiß-Farbdramaturgie bestimmt, die durch manche Rottöne besonderen Reiz und Raffinesse erhält. Alle Personen sind in schwarz gekleidet (Kostüme: Gottfried Pilz), mit Ausnahme der Ritter bei der Enthüllung des Grals, sofern diese überhaupt auf der Bühne zu sehen ist. Zu den raffinierten Einfällen des Bühnenbildes zählen Spiegelungen, die den Eindruck erwecken, als würden die Personen versuchen, unüberwindbar hohe Mauern zu erklimmen. Oder auch die Szene der 'Blumenmädchen', im Besetzungszettel vorsorglich schon als 'Klingsors Zaubermädchen' betitelt. Von 'Blumenmädchen' im herkömmlichen Sinn ist auch nicht mehr viel übriggeblieben, betörend war der Effekt dennoch. Die ganz in Schwarz gekleideten Damen hatten rote, bis zu den Ellenbogen reichende Handschuhe an, so daß Dank der geschickten Lichtführung von Manfred Voss lange Zeit nur die bezirzenden Arme der Mädchen zu sehen waren. Bei manchen Opern eher störend wirkend hatte hier die Aufspaltung der Kundry in Kundry I (Dalia Schaechter) und der stummen Rolle von Ingrid Andree als Kundry II einen Sinn, denn kaum bei einer anderen Opernrolle ist die Spaltung in zwei Persönlichkeiten so ausgeprägt wie in der Figur der Kundry. Auf der einen Seite die nach Erlösung suchende Büßerin, auf der anderen Seite die dem Reich Klingsors angehörende Verführerin, auch hier wieder mit roten Handschuhen ausgestattet. Daß es Kundry II, die Verführerin ist, die im dritten Aufzug die Fußwaschung vornimmt, kann man nun als Läuterung und schlüssig bezeichnen - oder auch nicht. Insgesamt konnte sich die Inszenierung nicht ganz frei machen von eher lächerlichen Momenten. Was die sängerischen Leistungen betrifft, so beeindruckte Kristinn Sigmundsson als Gurnemanz sehr stark. Heinz Kruse gab als Parsifal eine gewohnt souveräne Vorstellung. Die seit vier Jahren dem Kölner Ensemble angehörende Israelin Dalia Schaechter meisterte ihr Rollendebüt als Kundry. Keine Ermüdungserscheinungen zeigte ein hervorragender Harry Peeters trotz Doppelrolle als Amfortas und Klingsor, aber er wurde auf offener Bühne auch nach seiner Auftrittsarie im zweiten Aufzug erst einmal zur Ruhe gelegt. Nun, möge er sich mit seinem beiden Rollen verordneten freien Oberkörper keine Erkältung holen. Es gibt eben Dinge, da fragt man sich schon, muß das sein. |
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